Abstract der Rezension
Fundgrube kunstpädagogischer Medienprojekte
Die Publikation Postdigitale Kulturen Jugendlicher. Medienpädagogische Gestaltungs- und Identitätsräume (2023), herausgegeben von Friederike von Gross und Renate Röllecke, stellt ein facettenreiches und praxisnahes Handbuch zur gegenwärtigen Medien- und Kunstpädagogik im Kontext digitaler Jugendkultur dar. Ausgehend von einem fundierten theoretischen Rahmen diskutiert das Werk aktuelle Herausforderungen der Identitätsbildung in postdigitalen Lebenswelten und beleuchtet die Rolle medialer Ausdrucksformen – insbesondere unter Berücksichtigung algorithmischer Dynamiken und KI-gestützter Kreativprozesse. Dabei wird Kreativität als zentrales Moment subjektiver Weltaneignung und ästhetisch-expressiver Selbstvergewisserung begriffen.
Das Handbuch überzeugt durch eine gelungene Theorie-Praxis-Verzahnung: Im Mittelpunkt stehen prämierte Projekte des Dieter Baacke Preises 2022, die medienpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Bildungskontexten dokumentieren. Die Präsentation der Projekte erfolgt über strukturierte Interviews, in denen Zielsetzungen, didaktische Konzeptionen, medienpädagogische Strategien sowie Fragen der Nachhaltigkeit reflektiert werden. Diese Projektporträts eröffnen nicht nur Einblicke in exemplarische medienkulturelle Praxis, sondern liefern auch Impulse für die Weiterentwicklung kreativer Bildungsprozesse im Schnittfeld von Medienbildung und ästhetischer Praxis.
Besonders hervorzuheben ist die Perspektivierung der vier Dimensionen des Medienkompetenzmodells von Dieter Baacke – Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung – im Licht gegenwärtiger postdigitaler Herausforderungen. Die Integration KI-gestützter kreativer Werkzeuge wird als Chance ästhetischer Selbstermächtigung und individueller Ausdrucksvielfalt thematisiert, wenngleich weiterführende ethische oder rechtliche Implikationen nur am Rande angeschnitten werden.
Das Handbuch ist ein bedeutsames Instrument für Kunstpädagog:innen, Medienbildner:innen und alle in der kulturellen Bildungsarbeit Tätigen, die digitale Technologien reflexiv und gestalterisch in Bildungsprozesse integrieren möchten. Es eröffnet wesentliche Perspektiven auf eine kunst- und medienpädagogische Praxis, die Jugendliche in ihrer Identitätsentwicklung unterstützt und ihre kulturelle Teilhabe im postdigitalen Zeitalter stärkt. Durch seine multiperspektivische Ausrichtung und die praxisnahe Darstellung verdient das Werk einen festen Platz in der kunst- und medienpädagogischen Fachliteratur.