(2024) Kreativität auf der Höhe der Zeit. Rezension zur Publikation:
Schöppe, Karola/Wachter, Steffen (Hg.): Kreativität neu denken. Multiperspektivische Annäherungen an eine Schlüsselkompetenz. München: 2024. In: KUNST+UNTERRICHT 487/488, S. 79
(2024) Kreativität auf der Höhe der Zeit. Rezension zur Publikation:
Schöppe, Karola/Wachter, Steffen (Hg.): Kreativität neu denken. Multiperspektivische Annäherungen an eine Schlüsselkompetenz. München: 2024. In: KUNST+UNTERRICHT 487/488, S. 79
Abstract der Rezension
Kreativität auf der Höhe der Zeit
Die von Karola Schöppe und Steffen Wachter herausgegebene Publikation Kreativität neu denken. Multiperspektivische Annäherungen an eine Schlüsselkompetenz (2024) versammelt aktuelle theoretische und praxisorientierte Positionen zur Neubestimmung des Kreativitätsbegriffs im kunstpädagogischen, bildungstheoretischen und interdisziplinären Kontext. Basierend auf einem Symposium des Dachverbands Kreativitätspädagogik e.V. verfolgt der Sammelband das Ziel, den diskursiv überfrachteten und oftmals diffus verwendeten Kreativitätsbegriff kritisch zu reflektieren, zu kontextualisieren und hinsichtlich seiner Relevanz für gegenwärtige Bildungsprozesse neu zu verorten.
In verschiedenen Beiträgen wird Kreativität sowohl als pädagogisches Leitkonzept als auch als problematisches Konstrukt beleuchtet. Die Spannbreite der Analysen reicht von begriffshistorischen und philosophischen Klärungen über fachdidaktische und domänenspezifische Auseinandersetzungen bis hin zu methodisch fundierten Zugängen zur Kreativitätsförderung im schulischen Alltag. Besonders hervorzuheben sind die kritischen Beiträge von Simone Mahrenholz, Jochen Krautz und Frank Schulz, die den Kreativitätsdiskurs auf seine mythischen Überformungen, empirischen Engführungen und bildungspolitischen Vereinnahmungen hin befragen. Sie plädieren für ein differenziertes Verständnis von Kreativität als besondere Qualität eines produktiven und reflexiven Problemlöseprozesses – insbesondere im Kontext bildnerischer Praxis.
Der Band thematisiert zugleich die Anschlussfähigkeit des Kreativitätsbegriffs in weiteren Bildungsbereichen – etwa im Philosophieren mit Kindern, in der Sprachbildung oder im Mathematikunterricht – und macht damit seine Relevanz für eine umfassende Bildungsdiskussion deutlich. In didaktischer Hinsicht liefert der Sammelband zahlreiche Impulse zur Konzeption kreativer Lernumgebungen und eröffnet Perspektiven für eine begabungsfördernde Schulentwicklung.
Wenngleich eine vertiefte Auseinandersetzung mit digitalen Transformationsprozessen, insbesondere im Hinblick auf KI-gestützte Kreativitätsformen, weitgehend ausgeklammert bleibt, gelingt es der Publikation, zentrale Spannungsfelder und Perspektiven eines zeitgemäßen Kreativitätsverständnisses offenzulegen. Durch die multiperspektivische Herangehensweise und die Verbindung von Theorie, Praxis und Kritik stellt Kreativität neu denken eine ebenso reflektierte wie anwendungsorientierte Ressource für Kunstpädagog:innen, Bildungstheoretiker:innen und schulische Entscheidungsträger:innen dar. Der Band leistet damit einen bedeutsamen Beitrag zur kunstpädagogischen Theoriebildung und zur Entwicklung eines zukunftsgerichteten Bildungsverständnisses.