Stefan Spengler
Scheinakazie
Experimentelle Acrylmalerei
45 cm x 50 cm
2026
Stefan Spengler
Scheinakazie
Experimentelle Acrylmalerei
45 cm x 50 cm
2026
Im intermedialen Dialog mit der Natur
Das Acrylbild greift das kurz zuvor entstandene Fotokunstwerk der Scheinakazie auf und übersetzt dessen digitale Wahrnehmungsverschiebung in eine malerische Bildsprache. Der Blick nach oben in das Blätterdach bleibt erhalten, doch die fotografische Wirklichkeit wird nun durch Farbe, Pinselspur und freie Setzung neu interpretiert. Stamm, Äste, Himmel und angedeutete Architektur verbinden sich zu einem bewegten Geflecht aus Naturformen und bildnerischer Konstruktion.
Während die Fotografie durch die Panoramafunktion eine scheinbare Spiegelung und damit eine irritierende zweite Wirklichkeit erzeugt, verwandelt die Malerei diesen Effekt in eine offene, expressive Struktur. Die Gebäudeteile erscheinen nicht mehr als technisch erzeugte Verschiebung, sondern als malerisch eingebundene Fragmente einer gebauten Umgebung. So entsteht ein intermedialer Dialog zwischen digitaler Fotografie und analoger Malerei, zwischen genauer Naturbeobachtung und subjektiver Verdichtung.
Die Scheinakazie wird auch im Acrylbild zum Sinnbild für Wachstum, Widerstandskraft und Naturverbundenheit. Die Äste greifen in verschiedene Richtungen, durchbrechen Ordnungen und öffnen Zwischenräume für Licht, Himmel und Bewegung. Zugleich verweist das Werk auf das Verhältnis von Natur und Architektur, von organischem Wachstum und gesellschaftlich gestalteten Räumen. In diesem Zusammenspiel entsteht eine poetische Reflexion über Wahrnehmung, Verwurzelung und Offenheit – und über die Möglichkeit, Natur nicht nur abzubilden, sondern im künstlerischen Prozess neu zu erfahren.
Ergänzend tritt mit Scheinakazie (Metamorphose) eine dritte Bildebene hinzu, in der Fotografie und Malerei durch KI-generierte Bildprozesse miteinander verschmelzen. Das Werk vereint die fotografische Ausgangssituation der Scheinakazie mit der malerischen Interpretation des Acrylbildes und führt beide Medien in einen neuen, hybriden Bildraum hinein. Die technischen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz werden dabei nicht als bloßes Werkzeug der Reproduktion eingesetzt, sondern als Erweiterung des intermedialen Dialogs: Naturbeobachtung, digitale Fotografie, analoge Malerei und algorithmische Transformation überlagern sich zu einer vielschichtigen Metamorphose.
In dieser Verbindung entsteht ein Bild, das zwischen Realität, Erinnerung und künstlerischer Neuschöpfung vermittelt. Die KI greift Formen, Farben und Strukturen beider Ausgangswerke auf und verdichtet sie zu einer neuen visuellen Wirklichkeit, in der sich das Blätterdach, die Architekturfragmente und die impressionistisch-expressive Malerei gegenseitig durchdringen. So wird das KI-genierierte Werk zu einem zeitgenössischen Kommentar auf künstlerische Wahrnehmungsprozesse: Das Werk zeigt, wie Natur im Zusammenspiel verschiedener Medien nicht nur abgebildet, sondern fortlaufend verwandelt, befragt und neu erfahrbar gemacht werden kann.