(2025) Vom Zeichnen zur individuellen Bildsprache. Rezension zur Publikation:
Schilling, Diemut: Welten erschaffen auf Papier. Von den Grundlagen der Zeichnung zur eigenen Bildsprache. Gerlingen 2024. In: KUNST+UNTERRICHT 491/492, S. 77
Abstract der Rezension
Vom Zeichnen zur individuellen Bildsprache
Diemut Schillings Publikation Welten erschaffen auf Papier. Von den Grundlagen der Zeichnung zur eigenen Bildsprache (2024) stellt ein umfassendes, praxisorientiertes Handbuch zur zeichnerischen Entwicklung dar und richtet sich an ein breites kunstpädagogisches sowie künstlerisch interessiertes Publikum. Die Autorin, erfahrene Künstlerin und langjährige Hochschuldozentin, verbindet in diesem Werk didaktisch strukturierte Vermittlung zeichnerischer Grundtechniken mit dem Ziel, Lernende auf dem Weg zur Entfaltung einer individuellen Bildsprache zu begleiten.
Zentraler Bestandteil des Buches ist eine klar aufgebaute Sequenz von 36 praxiserprobten Übungen, die sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen einen systematischen Zugang zur Zeichnung ermöglichen. Der methodisch reflektierte Aufbau, die gestalterisch ansprechende Aufbereitung und die Vielzahl an Illustrationen machen das Werk zu einem wertvollen Instrument kunstpädagogischer Praxis. Dabei spannt Schilling einen Bogen von den Grundlagen der Linie, Fläche und Proportion bis hin zu experimentellen und medienübergreifenden Verfahren wie Collage, Druckgrafik und malerischen Erweiterungen.
Wissenschaftlich betrachtet überzeugt das Werk durch eine starke didaktisch-praktische Fundierung, bleibt jedoch in Bezug auf kunsthistorische Einordnungen sowie die Analyse der gezeigten Bildbeispiele eher zurückhaltend. Die fehlende systematische Kontextualisierung der Abbildungen – etwa durch Bildunterschriften oder Altersangaben bei Kinderzeichnungen – mindert stellenweise die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit. Ebenso bleibt der Bezug zu digitalen Zeichenmedien und KI-basierten Gestaltungstools unberücksichtigt, was jedoch aus der bewussten Fokussierung auf analoge Verfahren nachvollziehbar erscheint.
Welten erschaffen auf Papier ist in seiner Konzeption ein inspirierendes Standardwerk, das insbesondere in der kunstpädagogischen Ausbildung, der Mappenvorbereitung angehender Kunststudierender sowie in der schulischen und außerschulischen Praxis breit anschlussfähig ist. Es bietet ein fundiertes, visuell reiches Fundament für Lehr- und Lernprozesse, die das Zeichnen nicht nur als Technik, sondern als individuell entwickelbare künstlerische Ausdrucksform begreifen.